Forschungszulage im Maschinenbau: was als F&E zählt
Der Maschinenbau lebt von Weiterentwicklung — und genau die adressiert die Forschungszulage. Der Haken ist derselbe wie überall: Nicht jede Konstruktionsstunde ist F&E. Entscheidend ist, ob technische Unsicherheit systematisch überwunden wird.
Viele Maschinenbauer halten ihre Arbeit für „normales Engineering” und prüfen die Forschungszulage gar nicht erst. Dabei erfüllt gerade hier ein erheblicher Teil der Entwicklungsarbeit die Kriterien — sie wird nur selten als förderfähige F&E erfasst.
Der Kern: Entwicklung jenseits des Stands der Technik
Förderfähig ist, was über die routinemäßige Anwendung bekannter Lösungen hinausgeht — wo also zu Beginn nicht klar war, ob und wie sich ein technisches Ziel erreichen lässt. Im Maschinenbau ist das eher die Regel als die Ausnahme.
Diese Arbeiten zählen typischerweise
- Konstruktion jenseits des Stands der Technik — neue Mechaniken, Leichtbau, ungelöste Toleranz- oder Belastungsprobleme.
- Neue oder verbesserte Fertigungsverfahren — Prozesse, die so noch nicht etabliert sind.
- Prototypen, Versuchsreihen & Funktionsmuster — auch wenn sie am Ende verworfen werden.
- Materialentwicklung & -auswahl unter technischer Unsicherheit.
- Automatisierung & Steuerungstechnik, wenn echte Entwicklungsarbeit dahintersteckt.
Was in der Regel nicht zählt
- Serienfertigung und routinemäßige Produktion.
- Reine Anpassung bestehender Konstruktionen an Kundenwünsche ohne technische Unsicherheit.
- Wartung, Reparatur, Inbetriebnahme nach bekanntem Muster.
Der entscheidende Hebel: Dokumentation
Halten Sie je Vorhaben fest, welches technische Problem gelöst werden sollte, warum es unsicher war und wer wie viel Zeit investiert hat. Konstruktionsstände, Versuchsprotokolle und Stundenzuordnung reichen als Grundlage meist aus.
Kurzes Praxisbeispiel
Ein Sondermaschinenbauer mit zwölf Konstrukteur:innen entwickelt eine Anlage mit einer neuartigen Greif- und Positioniermechanik — ohne fertige Standardlösung. Rund die Hälfte der Jahresarbeit fließt in dieses und zwei weitere unsichere Vorhaben. Bei 900.000 € Personalkosten und 50 % F&E-Anteil ergibt sich eine Bemessungsgrundlage von rund 540.000 € — als KMU sind das etwa 190.000 € Zulage pro Jahr.
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